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Uhrenbeweger einstellen: Umdrehungen pro Tag für dein Kaliber

Stand: Juli 2026 · Quellen am Artikelende
Kernantwort Der bewährte Standard für fast alle modernen Automatikwerke lautet 650 bis 800 Umdrehungen pro Tag (TPD) in beidseitiger Drehrichtung, der sichere Gesamtbereich liegt bei 500 bis 1.000. Nur wenige Kaliber wie das ETA 7750 ziehen ausschließlich in eine Richtung auf und mögen die passende Einzelrichtung. Grundregel: niedrig starten, beidseitig drehen lassen und nur nachjustieren, wenn die Uhr stehen bleibt. Beidseitig schadet keinem Werk.

Was TPD bedeutet, und warum mehr nicht besser ist

TPD steht für turns per day, also die Umdrehungen pro Tag, die ein Uhrenbeweger ausführt. Jede Umdrehung schwenkt den Rotor deiner Automatikuhr und spannt damit die Zugfeder ein Stück. Am Handgelenk passiert dasselbe nebenbei: Ein normaler Tag liefert grob so viel Rotorbewegung, wie 650 bis 800 gezielte Umdrehungen auf dem Beweger erzeugen. Genau deshalb ist dieser Bereich der Industriestandard der Winder-Datenbanken.

Mehr Umdrehungen machen die Uhr nicht gesünder oder genauer. Ist die Zugfeder voll, verhindert die Rutschkupplung im Federhaus jedes Überspannen, überschüssige Umdrehungen verpuffen schlicht als Bewegung. Wer also 1.900 statt 800 TPD einstellt, gewinnt nichts und lässt Motor wie Werk nur unnötig arbeiten. Die Kunst liegt nicht im Maximum, sondern im Minimum, das die Uhr zuverlässig voll hält.

Die TPD-Tabelle für gängige Kaliber

Die folgenden Werte haben wir aus den Einstellungs-Datenbanken der Winder-Hersteller (unter anderem watch-winder.store, Aurawinder, Orbita, Barrington) und Kaliber-Spezifikationsquellen wie Caliber Corner zusammengetragen und gegeneinander geprüft. Wo Quellen sich widersprechen oder Angaben fehlen, steht das ehrlich dabei, statt dass wir Werte erfinden.

KaliberTypische UhrenEmpf. TPDDrehrichtungGangreserve
ETA 2824-2Klassiker vieler Schweizer Marken650beidseitigca. 38 h
ETA 2892-A2Flachere Oberklasse-Modelle650beidseitigca. 42 h
ETA/Valjoux 7750Automatik-Chronographen800nur im Uhrzeigersinn44 bis 48 h
ETA C07 (Powermatic 80)Tissot PRX, Certina DS650beidseitigca. 80 h
Sellita SW200-1Sinn, Oris, viele Mittelklasse-Modelle650 bis 800beidseitig38 bis 41 h
Sellita SW300-1Flachere Sportuhren650 bis 800beidseitig42 bis 56 h
Sellita SW500Chronographen (7750-Bauart)800nur im Uhrzeigersinnca. 48 h
Miyota 8215 / 821ACitizen, viele Einsteiger-Automatik650 bis 950einseitig aufziehend, Angaben uneinheitlich: im Zweifel beidseitig40 bis 42 h
Miyota 9015 / 9039Microbrands, flache Sportuhren650 bis 950einseitig aufziehend, Praxis meist im Uhrzeigersinnca. 42 h
Seiko NH35 / NH36Seiko-Mods, Invicta, Microbrands650beidseitigüber 41 h
Seiko 4R35 / 4R36Seiko 5 Sports, Presage-Einstieg650beidseitigca. 41 h
Seiko 6R35 / 6R55Seiko Prospex, Presage-Oberklasse650beidseitigca. 70 h
Citizen 8210Citizen-Automatik (Miyota-82xx-Basis)650 bis 950einseitig aufziehend, im Zweifel beidseitigüber 40 h
Rolex 3135ältere Submariner, Datejust650beidseitigca. 48 h
Rolex 3235 / 3255aktuelle Submariner, Datejust, Day-Date650beidseitigca. 70 h
Omega 8800 / 8900Seamaster, Aqua Terra, Speedmaster-Ableger650 bis 800beidseitig55 bzw. 60 h (Herstellerangabe)
Orient F6922 / F6724Orient Kamasu, Bambinokeine belegte Angabe: Faustregel 650beidseitig (Faustregel)ca. 40 h (Herstellerangabe)

Wichtig zur Einordnung: Rolex publiziert selbst keine TPD-Werte, die 650 sind die übereinstimmende Empfehlung der großen Winder-Datenbanken. Bei Werten mit Spannen (etwa der 7750-Gangreserve) nennen die Quellen unterschiedliche Generationen des Werks. Und wo uns schlicht kein Beleg vorliegt, wie bei den Orient-Kalibern, schreiben wir das lieber hin, als eine Zahl zu erfinden: Mit der Faustregel bist du dort auf der sicheren Seite.

Drehrichtung verstehen: beidseitig, einseitig und der Miyota-Fall

Automatikwerke unterscheiden sich darin, wie der Rotor die Feder spannt. Beidseitig aufziehende Werke wie ETA 2824-2, Sellita SW200-1, Seikos Magic-Lever-Konstruktionen und moderne Rolex-Kaliber nutzen jede Rotordrehung, egal in welche Richtung. Für sie ist der wechselnde Modus des Bewegers ideal. Einseitig aufziehende Werke wie das Chronographen-Kaliber ETA 7750 spannen nur in einer Drehrichtung effizient, dort empfehlen die Datenbanken den Lauf im Uhrzeigersinn.

Ein ehrliches Wort zur Miyota-Familie, denn hier widersprechen sich selbst die Fachquellen: Die 82xx- und 90xx-Serien ziehen einseitig auf, doch ob der Beweger dafür links- oder rechtsherum laufen soll, geben Datenbanken und Praxisberichte unterschiedlich an, auch weil die Blickrichtung (auf das Zifferblatt oder auf den Boden) je Quelle variiert. Die robuste Lösung ist unspektakulär: Starte im beidseitigen Modus. Der zieht jedes einseitige Werk trotzdem auf, nur etwas langsamer, und die Gangkontrolle aus dem nächsten Abschnitt verrät dir, ob eine Einzelrichtung besser funktioniert.

Daraus folgt die wichtigste Merkregel dieser Seite: Der beidseitige Modus schadet keinem Automatikwerk. Er ist die richtige Standardwahl für gemischte Sammlungen und für jedes Kaliber, das nicht in der Tabelle steht.

Schritt für Schritt: So stellst du deinen Beweger richtig ein

  1. Uhr von Hand voll aufziehen: Ein Beweger hält den Aufzug, er ersetzt ihn nicht. Starte mit voller Zugfeder (bei Automatik ohne Handaufzug: die Uhr vor dem Auflegen einige Minuten tragen oder schwenken).
  2. Standard einstellen: 650 TPD, beidseitige Drehrichtung, Ruhephasen aktiv. Bei Kalibern aus der Tabelle übernimmst du direkt deren Werte.
  3. Zwei Tage Gangkontrolle: Läuft die Uhr nach 48 Stunden auf dem Beweger noch und stimmt die Zeit, passt die Einstellung. Bleibt sie stehen oder geht deutlich nach, erhöhe schrittweise auf 800, dann 950, oder teste bei einseitigen Werken die beiden Einzelrichtungen.
  4. Minimum behalten: Sobald die Uhr zuverlässig voll bleibt, ist die Einstellung fertig. Höher drehen bringt keinen Vorteil, es bedeutet nur mehr Bewegung.

Welche Geräte diese Einstellungen sauber beherrschen, also getrennte Drehzahlen, alle drei Richtungen und Intervallprogramme, zeigt unsere Uhrenbeweger-Kaufberatung mit den Vergleichen für 1 Uhr und für 2 bis 4 Uhren.

Ruhephasen: Warum gute Beweger meistens stillstehen

Seriöse Uhrenbeweger verteilen die Tagesumdrehungen in Zyklen: einige Minuten Rotation, dann lange Pausen, über 24 Stunden verteilt. Orbita etwa organisiert seine Programme grundsätzlich in solchen Intervallzyklen, und auch die übrigen Qualitätshersteller arbeiten nach diesem Prinzip, weil es dem natürlichen Trageverhalten am nächsten kommt. Dauerrotation ohne Pausen ist dagegen ein Kennzeichen sehr einfacher Geräte und bringt keinerlei Vorteil.

Zusätzliche Nachtruhe-Programme, wie sie etwa Heisse und Söhne mit einer Schlafphase von 22 bis 11 Uhr anbieten, sind fürs Werk nicht nötig, aber praktisch, wenn das Gerät im Schlafzimmer steht. Entscheidend bleibt allein, dass die Tagessumme der Umdrehungen den Bedarf des Kalibers erreicht. Ob sich die Anschaffung für dich überhaupt lohnt, klärt übrigens der Artikel Braucht meine Uhr einen Uhrenbeweger?.

Sonderfälle, die du kennen solltest

Drei Konstellationen verdienen besondere Aufmerksamkeit. Erstens Chronographen mit 7750-Architektur, zu der auch der Sellita-Klon SW500 gehört: einseitiger Aufzug, empfohlene Richtung im Uhrzeigersinn, 800 TPD. Zweitens Vintage-Uhren: Bei Werken aus Zeiten alter Öle und ohne moderne Rutschkupplungs-Konstruktionen gehört die Beweger-Frage in die Hand des Uhrmachers, im Zweifel lieber stehen lassen. Drittens Uhren mit sehr langer Gangreserve wie Powermatic 80 oder Seiko 6R55: Sie überstehen ein ganzes Wochenende ohne jede Hilfe, ein Beweger ist dort reiner Komfort für Vielwechsler.

Und falls deine Uhr trotz korrekter Werte nicht voll bleibt, liegt es selten am Beweger: Eine stark gealterte Zugfeder oder ein überfälliger Service zeigen sich zuerst in schrumpfender Gangreserve. Die Grundlagen zu Werken und Gangreserven erklärt unsere Schwesterseite im Uhrenwissen von TopWatchReviews. Für Beweger im Tresor gelten dieselben Werte, die Besonderheiten der Stromversorgung hinter Panzerstahl behandelt der Vergleich Tresor mit Uhrenbeweger.

Quellen und Belege

Die Werte dieser Seite stammen aus folgenden Quellen (Stand Juli 2026), die wir gegeneinander abgeglichen haben:

Häufige Fragen

Häufige Fragen zu Umdrehungen pro Tag

Die häufigsten Fragen zur Beweger-Einstellung, kurz und belegt beantwortet.

Wie viele Umdrehungen pro Tag braucht eine Automatikuhr auf dem Uhrenbeweger?

Der bewährte Standard liegt bei 650 bis 800 Umdrehungen pro Tag in beidseitiger Drehrichtung, damit bleiben die allermeisten modernen Automatikwerke voll aufgezogen. Als sicherer Gesamtbereich gelten 500 bis 1.000 Umdrehungen. Starte niedrig und erhöhe nur, wenn die Uhr auf dem Beweger stehen bleibt oder nachgeht.

Welche Drehrichtung ist beim Uhrenbeweger richtig?

Die meisten modernen Werke von ETA, Sellita, Seiko und Rolex ziehen beidseitig auf, dort ist die wechselnde Drehrichtung die richtige Wahl. Einige Kaliber wie das ETA 7750 ziehen nur in eine Richtung effizient auf, dort hilft die passende Einzelrichtung. Im Zweifel gilt: beidseitig schadet keinem Werk, es zieht höchstens langsamer auf.

Wie viele Umdrehungen braucht eine Rolex auf dem Uhrenbeweger?

Rolex selbst veröffentlicht keine offiziellen Werte, die großen Winder-Datenbanken empfehlen übereinstimmend rund 650 Umdrehungen pro Tag in beidseitiger Drehrichtung. Das gilt für klassische Kaliber wie das 3135 ebenso wie für die aktuelle Generation um 3235 und 3255 mit rund 70 Stunden Gangreserve.

Schaden zu viele Umdrehungen pro Tag der Uhr?

Überspannen kann ein moderner Beweger das Werk nicht, dafür sorgt die Rutschkupplung im Federhaus. Trotzdem gilt: Mehr Umdrehungen als nötig bedeuten nur mehr Bewegung und mehr Laufstunden ohne Nutzen. Seriöse Empfehlung ist deshalb, mit dem Standardbereich zu starten und nicht auf Verdacht hochzudrehen.

Warum bleibt meine Uhr auf dem Uhrenbeweger stehen?

Die drei häufigsten Ursachen: zu wenige Umdrehungen pro Tag, die falsche Drehrichtung bei einem einseitig aufziehenden Werk oder eine Uhr, die schon fast leer auf den Beweger gelegt wurde. Zieh die Uhr zunächst per Krone voll auf, wähle den beidseitigen Modus und erhöhe die Umdrehungen schrittweise, bis sie zuverlässig durchläuft.

Sollte ein Uhrenbeweger nachts pausieren?

Gute Beweger arbeiten ohnehin in Zyklen: kurze Drehphasen, lange Ruhephasen, über den Tag verteilt. Eine zusätzliche Nachtruhe ist fürs Werk nicht nötig, aber sinnvoll, wenn das Gerät im Schlafzimmer steht. Wichtig ist nur, dass die Tagessumme der Umdrehungen den Bedarf des Kalibers erreicht.